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Der beste Rat, den ich je gegeben habe…

 

Es war ein warmer Apriltag. Frühlingsstimmung lag in der Luft.

 

Unsere intensive Coaching-Stunde im Praxisraum Linde, nahe der Mariahilfer Straße, neigte sich dem Ende zu.

 

In unserer Sitzung hatten wir mit meiner wissbegierigen Klientin Alina* viele zentrale Themen im Kontext sinnorientierter Entscheidungen besprochen:


…wie uns Menschen der Sinn (der Logos) in die richtige Richtung zieht – und uns dabei auch widerstandsfähiger und resilienter macht,

…wie hilfreich es ist, sich vor wichtigen Entscheidungen den „Sternenhimmel der (sinnvollen) Möglichkeiten“ bewusst vor Augen zu führen,
…und wie es gelingen kann, vom Grübeln in die Bewusstheit zu kommen, die realen Optionen im Hier und Jetzt abzuwägen – und daraus „den Stern, der am hellsten leuchtet“, also die sinnvollste Möglichkeit, auszuwählen.

 

Alina war von dieser logotherapeutischen Herangehensweise begeistert. Immer wieder bat sie mich, kurz innezuhalten, damit sie alles sorgfältig notieren konnte.

 

Ich bewunderte ihre strukturierten Aufzeichnungen, die sie – wie sie erzählte – zu Hause noch farbig ausarbeitete und aus denen manchmal sogar „Notizen aus den Notizen“ entstanden.

 

Mit großer Hingabe versuchte sie, aus jeder Stunde so viel wie möglich für sich mitzunehmen.

 

Dabei zeigte sie mir auch einen Memo-Ordner aus einem anderen Kurs, den sie parallel besuchte – zum Thema einfühlsame Kommunikation.


„Hier setze ich mich damit auseinander, die Perspektive des anderen zu verstehen, um Empathie bewusst in der Sprache einsetzen zu können“, erklärte sie mir anhand ihrer Unterlagen.

 

Ehrlich beeindruckt, würdigte ich ihre Bemühungen, das Gelernte nicht nur zu verstehen, sondern es auch möglichst konsequent in ihrem Alltag umzusetzen.

 

Wir verabschiedeten uns, und ich trat zur bodentiefen Fenstertür des französischen Balkons, um vor der nächsten Sitzung zu lüften – und dabei ein paar wärmende Sonnenstrahlen einzufangen.

 

Mit geschlossenen Augen genoss ich die milde Aprilluft.
Noch immer klang Alinas Stimme in mir nach:
„…und das alles versuche ich immer zu bedenken und umzusetzen.“

 

Ich schloss die schwere Doppeltür des Jugendstilerkers, rückte die Sessel für die nächste Sitzung zurecht – und spürte dabei, dass mich ein Gedanke nicht losließ.

 

Etwas, das ich Alina noch unbedingt mitgeben wollte.

 

In der Hoffnung, sie noch anzutreffen, eilte ich in den Vorraum.

Ich hatte Glück: Alina war noch dabei, ihre Unterlagen in ihre Tasche zu verstauen.

 

„Liebe Alina“, sagte ich,
„was ich Ihnen noch zum Abschluss unserer heutigen Stunde mitgeben möchte:

 

Wir haben heute vieles besprochen, und Sie haben sich wieder viel notiert und vorgenommen – aber vergessen Sie eines nicht:

 

Zwischendurch einfach zu leben.

 

Alina richtete sich langsam auf, sah mich an – und ihre Augen begannen zu leuchten.

 

„Frau Zinke“, sagte sie bewegt,
„das war jetzt der beste Rat, den Sie mir je gegeben haben.“

 

Sie hielt kurz inne, als würde sie den Satz nachklingen lassen.

 

„Sie haben mir schon so viele wertvolle Impulse gegeben – aber das… das ist es.
Einfach leben.“

 

Sie wiederholte den Satz mehrmals, fast ehrfürchtig, als hätte sie gerade etwas ganz Wesentliches entdeckt.

 

„Ja“, bestätigte ich.
„Alles, was wir besprochen haben, ist hilfreich und wertvoll. Aber zwischendurch: leben Sie einfach.

Genießen Sie den Moment – ohne zu überlegen, nach welcher Methode oder Theorie Sie handeln.

Leben Sie.“

 

„Das habe ich jetzt wirklich gebraucht“, sagte sie zum Abschied.
„Und ich werde mich immer wieder daran erinnern: zwischendurch einfach leben.“

 

Mit diesem Satz – ihrem „besten Rat“ – ging sie.

 

Und ich blieb einen Moment lang stehen und dachte:

 

Manchmal ist die wichtigste Erkenntnis nicht, immer alles richtig zu machen –
sondern einfach zu leben und den Moment bewusst zu genießen.


...vielleicht sind es gar nicht die vielen Worte, die etwas verändern –
sondern die wenigen, die uns wieder ins Leben zurückführen.

 

 

* Name und persönliche Details wurden zum Schutz der Klientin anonymisiert.